Dracula
Badham, John / Dracula (1979) / Blu-Ray Cinema Edition, 2020 / Koch Media GmbH / Lucy auf dem Weg nach Carfax Abbey / Kapitel 5, 43 Min. 28 Sek.
Ein Monster und Herzensbrecher
„Hören Sie nur, dies sind die Kinder der Nacht, welch traurige Musik Sie machen.“
Aus dem Film “Dracula”; Kapitel 6; 50 Min. 26 Sek.; Badham, John; Koch Media GmbH; 2020
Dracula erleidet Schiffbruch an der Küste vor England und bezieht sein neues Domizil in der Nähe auf Carfax Abbey. Graf Dracula trifft zu Beginn auf Mina, welche er sogleich mit seinem Charme in seinen Bann zieht. Doch in Lucy findet er seine Seelenverwandte für die Ewigkeit. Wird Jonathan Harker, Professor van Helsing und Dr. Seward Ihre geliebte Freundin und Tochter noch aus den Klauen des Vampirs entreißen können?
Regie: John Badham
Musik: John Williams
Drehbuch: W.D. Richter
Vorlage: Bram Stokers Dracula
Wichtigste Darsteller: Frank Langella (Dracula), Laurence Olivier (van Helsing), Donald Pleasence (Dr. Seward), Kate Nelligan (Lucy), Trevor Eve (Harker), Jan Francis (Mina), Tony Haygarth (Renfield)
Produktionsjahr: 1979
Produktionsfirma: The Mirisch Corporation, Univeral Pictures
Produktionsland: Großbritannien
Genre: Horror
FSK: 16
Quelltexte / Nachweise:
16.11.2021 https://www.imdb.com/title/tt0079073/
Dracula
Version zur Rezension (Dezember 2021)
Medium: Blu-Ray / Cinema Edition (2 Disc)
Herausgeber: Koch Media GmbH
Erscheinungstermin: 2020
Layout/Gestaltung: handgezeichnetes Cover von Adrian Keindorf
Laufzeit: 109 Min.
Ton: Deutsch, Englisch
Tonformat: DTS-HD Master Audio 2.0
Untertitel: Deutsch
Bild: Rekonstruierte Original-Farbfassung (Julian Francis Adderley)
Specials:
- Restaurierte Farbvariante
- Einführung John Badham mit Untertitel
- Audiokommentar John Badham mit Untertitel
- Super 8 Fassung
- Originaltrailer (Deutsch/Englisch)
- Bildergalerie mit seltenen Werbematerial
- Interview mit John Badham „King of my Kind“ (Untertitel)
- Interview mit Autor W.D. Richter „What sad music“ (Untertitel)
- Making of “The Revamping of Dracula” (Untertitel)
- Radiospot
Besonderheit:
Die Blu-Ray beginnt nicht wie gewöhnlich mit Werbung für aktuelle Blockbuster Veröffentlichungen, sondern mit einer Vorschau restaurierter Klassiker wie „Phantasm“ oder „Phantom of the Paradise“. Dadurch wird man gleich auf den Film eingestimmt. Einfach herrlich!
Achtung zur Cinema Edition:
Nicht wie in der Einführung von John Badham beschrieben enthält die vorliegende Variante die Film Noir Variante mit dunkleren Farben und Kinovariante in goldenen Farben, sondern nur die restaurierte goldene Farbvariante.
Zur Bewertung der Film Noir Variante wurde die Blu-Ray von Koch Media GmbH aus dem Jahr 2019 herangezogen. Die Blu-Ray enthält weniger Bonusmaterial, aber der Ton, sowie das Bild steht der Cinema Edition in nichts nach.
Weitere Versionen:
5-Disc Ultimate wattiertes Mediabook Variante von Inked Picture (2xBlu-Ray, 3xDVD, mit A1 Poster, inkl. Booklet, auf 999 limitiert)
John Badham Einführung:
Der Regisseur erläutert, warum von dem Film zwei unterschiedliche Farbvarianten (Film Noir Variante und Goldene Farbvariante) dem Publikum vorliegen. John Badham bevorzugt die Film Noir Variante, welche im Kino nicht gezeigt wurde.
Bitte Beachten: Der Cinema Edition liegt nur die Goldene Farbvariante bei.
Akt 1.:
Ein Schiff durchsegelt einen Sturm. Unter Deck fällt der Blick auf eine Kiste mit der Aufschrift „Dracula“. Beim Versuch die Kiste über Bord zu werfen kann sich Dracula befreien und tötet einen Matrosen. Der Kapitän bindet sich ans Ruder um den Sturm zu trotzen doch auf Dracula in Wolfsgestalt ist er nicht vorbereitet.
Akt 2.:
In einem Irrenhaus ist die Hölle los. Die Patienten sind durch den tobenden Sturm aufgebracht und Dr. Seward und die Pfleger versuchen die Insassen zu beruhigen. Derweil halten seine Tochter Lucy und ihre beste Freundin Mina von Helsing eine Unterhaltung, bis Lucy gerufen wird um ihren Vater bei den Patienten zu unterstützen. In der Zwischenzeit beobachtet Mina, wie ein Schiff droht an den Klippen zu zerschellen. Sie macht sich auf an die Küste und kann noch erkennen wie ein Wolf sich in eine Höhle an der Küste retten kann. Mina entscheidet dem Wolf in die Höhle zu folgen und findet einen gestrandeten Mann.
Akt 3.:
Der Morgen nach dem Schiffsunglück. Die Küstenbewohner bergen, unter der Aufsicht der Polizisten, was es noch zu bergen gibt. Der Anwalt Jonathan Harker erreicht mit seinem Automobil das Schiff. Dr. Seward berichtet Jonathan, dass außer seinem Klienten „Graf Dracula“, es keine Überlebenden des Unglücks gab. Dieser ist der neue Besitzer vom Schloss Carfax Abbey. Die Schiffsmannschaft weist Verstümmelungen auf, welche sich nicht durch das Unglück erklären lassen. Renfield, ein Vorarbeiter, soll den neuen Besitzer von Carfax Abbey zum Abendessen zu Dr. Sewards Unterkunft in der Irrenanstalt einladen.
Jonathan Harker besucht danach mit seinem Schwiegervater in spe seine Verlobte Lucy.
Als dunkle Silhouette erhebt sich die Carfax Abbey über den Nachthimmel auf den Klippen. Renfield bringt die Kiste mit der Muttererde von Dracula in das Schloss. Als Dank wird er vom Grafen in Fledermausgestalt angegriffen.
Akt 4.:
Die Dinner Party beginnt und Graf Dracula zieht nach der Ankunft in seiner Kutsche sofort alle Blicke und Gespräche auf sich. Das Essen rührt er nicht an und nachdem sich der Diener geschnitten hat und Blut fließt erkennt man in seinen Augen das Verlangen. Im späteren Verlauf des Abends erläutert der Graf seine Gründe für den Umzug. Kurz darauf erleidet Mina eine Ohnmacht. Durch Hypnose befreit Dracula Sie von ihren Schmerzen. Nach einem Tanz mit Lucy beginnt seine Liebe zu ihr zu entbrennen.
Akt 5.:
Lucy schleicht sich in der Nacht zu Jonathan Harker. Doch dieser ist noch eifersüchtig auf den romantischen Tanz zwischen ihr und dem Grafen Dracula. Der Vampir in Dracula treibt ihn zu Mina ins Schlafzimmer um sich an ihrem Blut zu laben.
Am Ende der Nacht legt sich Lucy wieder zu Mina in das Bett und schläft ein.
Dracula kehrt nach Carfax Abbey zurück und nimmt Renfield in seine Dienste. Zum Dank darf sich dieser ab sofort von kleinen Insekten ernähren.
Akt 6.:
Lucy erwacht in der Früh, von einem angeblichen Erstickungsanfall von Mina. Leider ist jede Hilfe von Dr. Seward zu spät und Mina van Helsing stirbt. Während des Frühstücks übermittelt Dr. Seward seinem engen Freund Abraham van Helsing ein Telegramm, welches vom Tod seiner Tochter Mina berichtet.
Akt 7.:
Jonathan Harker besucht Graf Dracula auf Carfax Abbey um alle Verkaufsdokumente abzuschließen. Auf dem Rückweg vom Schloss wird Jonathan von Renfield gewaltsam überfallen. Dieser hat sich auf seinen Wagen geschlichen um den Klauen des Vampirs zu entgehen. Jonathan Harker bringt darauf Renfield in das Sanatorium als Patient.
Jonathan und Lucy streiten nach der Beerdigung von Mina. Danach bricht Jonathan nach London auf um die Dokumente des Grafen zu übergeben. Dr. Seward holt Abraham van Helsing, den Vater von Mina, vom Bahnhof ab. Lucy bricht zur gleichen Zeit zu Dracula auf um dessen Einladung zum Abendessen zu folgen. Während sich Dr. Seward und van Helsing über die mysteriösen Umstände von Minas Tod, in Folge des immensen Blutverlustes, unterhalten, kommen sich Lucy und Dracula näher.
Nach Ankunft der beiden Freunde im Irrenhaus, wird dort eingebrochen und ein Baby von einer Insassin umgebracht. Das Baby weist den gleichen Blutverlust wie Mina auf. Die Mutter schwört es war Mina.
Akt 8.:
Am nächsten Tag trifft Abraham van Helsing die trauernde Lucy auf dem Friedhof. Dabei erzählt der Vater von Mina, dass er die Vermutung hat, dass seine Tochter nun ein Vampir sei. Kurz darauf trifft Dracula auf die beiden. Dracula fällt sofort das Kreuz an Lucys Hals auf, welches Sie von Abraham erhalten hat. Der Knoblauch, welcher über das Grab von Mina verteilt wurde verscheucht ihn vollends. Dies erfolgt alles unter der genauen Beobachtung von Abraham van Helsing.
Akt 9.:
Dr. Seward macht sich mit van Helsing in der Nacht auf den Weg um Abrahams These von der Vampirin Mina zu bestätigen. In der Zwischenzeit Lieben sich Dracula und Lucy. Dabei kostet Dracula zum ersten Mal Lucys Blut und umgekehrt.
Abraham und John müssen erkennen, dass Mina in die unterirdischen Minen geflüchtet ist und die beiden nehmen die Verfolgung auf. Die Freunde finden die zur Vampir verwandelten Mina und beenden ihr da sein mit einem Holzpflock durch Ihr Herz.
Jonathan Harker erreicht das Anwesen nach seiner Reise nach London und findet Lucy halbtot auf. Mit der Hilfe von Dr. Seward können Sie durch eine Bluttransfusion durch Jonathan den Blutverlust kompensieren und Lucys Leben retten.
Van Helsing erhält zur gleichen Zeit unerwarteten Besuch von Graf Dracula im Salon. Durch ein fehlendes Spiegelbild fällt seine Tarnung und van Helsing identifiziert Dracula als einen Vampir. Die beiden Kontrahenten liefern sich einen taktischen Kampf auf geistiger Ebene. Van Helsings Wille und Einfallsreichtum triumphieren über Draculas Gerissenheit und jahrhundertelanger Erfahrung. Gegen Kreuze und Knoblauch, kann selbst Graf Dracula nichts ausrichten und flieht in Wolfsgestalt. Abraham erzählt darauf Jonathan und John von seinem Kampf mit Graf Dracula.
Akt 10.:
Am nächsten Morgen brechen die Drei gemeinsam auf um den Leichnam von Mina zu begutachten. Selbst im Tod zeigt Mina noch kein Spiegelbild und wirkt lebendig. Van Helsing kann den Fluch des Vampirs nur brechen in dem er Minas Herz herausschneidet. Lucy flieht vor der Szenerie zu Graf Dracula. Die drei Helden stellen Lucy vor ihrer Ankunft auf Carfax Abbey. Ihr Vater bringt Lucy wieder nach Hause. Jonathan und Abraham machen sich auf nach Carfax Abbey um den Grafen zur Strecke zu bringen. Doch Dracula erwartet Sie bereits. Ein Kampf beginnt, zuerst sind die Helden unterlegen. Durch einen cleveren Schachzug von van Helsing können Sie den Vampir mit Sonnenlicht vertreiben. Bevor die Beiden fliehen, machen Sie Draculas Ruhestätte in Muttererde unbewohnbar.
Akt 11.:
Jonathan besucht Lucy in ihrer Zelle in der Irrenanstalt. Lucy versucht Jonathan Informationen durch ihre Schmeicheleien zu entlocken. Zum Schluss versucht Sie Jonathan sogar zu beißen. Nur durch das Eingreifen von van Helsing kann Jonathan vom Vampirbiss gerettet werden. Die Freunde sind sich sicher, dass Graf Dracula kommt um Lucy zu holen.
Dracula kommt durch Renfields Zimmer in das Sanatorium und tötet ihn für seinen Verrat an seinem Meister. Die Ablenkung durch das entstehende Chaos nützt Graf Dracula um seine Lucy zu befreien.
Akt 12.:
Jonathan, Abraham und John nehmen die Verfolgung der Geflohenen, mit Jonathans Automobil, auf. Zufällig finden Sie eine Kutsche, welche eine Kiste von Dracula transportiert und auf dem Weg zum Hafen ist. Dracula kann den Verfolgern ein Schnippchen schlagen und beeinflusst die Pferde der Kutsche um den Wagen von Jonathan von der Straße zu drängen.
Die Drei geben aber nicht auf. Die Freunde erreichen den Hafen und können auf einem Schiff den Grafen stellen. Dieser stirbt nach einem harten Kampf, bei dem van Helsing stirbt, am höchsten Mast am Schiff im Sonnenschein. Somit scheint Lucys Verwandlung gestoppt und Dracula ist besiegt.
…doch was flattert da im Wind, was bedeutet das leichte Lächeln von Lucy…
Ein Wolf heult, eine Fledermaus schwebt durch die Nacht und ein Schloss auf einer Klippe erhebt sich bedrohlich im Mondschein und verkünden einen romantischen Horrorfilm der Extraklasse.
Durch die Beförderungsmittel zu Beginn des Films findet sich das Publikum in einem etwas anderen Jahrhundert als in Bram Stokers Roman. Es finden sich noch immer Pferdekutschen, doch Jonathan Harker rast bereits mit einem Automobil an den Strand. Der Film wird somit Anfang des 20igsten Jahrhunderts einzuordnen sein.
Grundsätzlich zählt der Film zu den eher unblutigen Vampirfilmen. Doch es gibt Szenen in denen der Horror vor Augen geführt wird. Der Tod des Babys ist zum Beispiel eine grauenvolle Szene und nichts für Menschen mit schwachen Nerven. Die FSK 16 Altersbegrenzung ist hier angebracht.
Die Geschichte von Bram Stokers Buch wurde nur zum Teil verfilmt. Der Film verliert dadurch eine mögliche Langatmigkeit, die so mancher romantischen Horrorgeschichte zum Opfer gefallen ist. Der Zuschauer hat nie das Gefühl, dass etwas von der Geschichte nicht erzählt wurde.
Die Handlung beginnt an Fahrt nach dem Tod von Mina aufzunehmen. Dies lässt sich auch in der Aktaufteilung erkennen. Die Handlungsstränge teilen sich auf und mehrere Wege der Geschichte entstehen, welche bei der Jagd auf Dracula sich wieder finden.
John Badham setzt den Fokus nicht auf Blut, Horror und Monsterdarstellungen. Sie dienen als Mittel zum Zweck und werden wohl dosiert angeboten. Niemals bestimmen diese Elemente eine Szene bzw. lenken von ihr ab. Der Graf verkörpert einen mystischen und anziehenden Charakter. Die typische Szene bei Dracula Verfilmungen, bei der sich jemand in den Finger schneidet und Draculas Zähne aufblitzen, lässt sich im Film auch finden (Dinner Party). Doch in diesem Fall kann der Zuschauer durch Draculas bebende Augen, dass Verlangen des Grafen noch intensiver miterleben, als durch aufblitzende Eckzähne.
Eine Besonderheit des Dracula Charakters ist seine Ehrlichkeit. Der Graf ist kein Lügner, Schwindler oder ein Monster. Durch die Aussagen erkennt der Zuschauer sofort den Vampir in Frank Langella. Im Film wird seine Art und Antworten eher dem ausländischen Adligen von den Protagonisten zugeschrieben.
Frank Langellas Präsenz ist über den gesamten Film zu spüren. Die ausladenden Posen, sein Spiel mit Mimik und Gestik sind zurückzuführen auf seine jahrelange Theatererfahrung und seiner Rolle des Draculas am Broadway. Nur durch Frank Langella wird der Film zu einer der besten Bram Stoker Adaptionen. Der aufmerksame Vampirfilmliebhaber könnte durch aus behaupten, dass die Interpretation des Draculas von Frank Langella als Vorbild für „Edward Cullen“ aus Twilight stammte.
Mit Laurence Oliviers Darstellung des „van Helsing“ platziert er sich definitiv unter eine der besten Schauspielerleistungen für diese Rolle in der Filmgeschichte. Der physischer und mentale Kampf zwischen Olivier und Langella trägt einen großen Teil zum Erfolg des Films bei. Hier ist die Szene im Salon hervorzuheben. Perfekt gespielt, brillant interpretiert durch die beiden Künstler.
Donald Pleasence als Dr. Seward gibt sich eher als eine Art lustiger Sidekick. Vor allem auf der Jagd nach Dracula mit seinem Freund Abraham van Helsing. Der Zuschauer hat das Gefühl das Donald Pleasence immer am Essen ist, was nach John Badham anscheinend vom Schauspieler beabsichtigt war, um länger im Bild zu bleiben und am Set so nicht aufgefallen ist (siehe Making of). Ein sonst sehr klassisch gehaltener Film verliert dadurch an Authentizität und rutscht manchmal ins Alberne. Eine etwas ängstlichere und zurückhaltende Rolle wäre hier dem Charakter besser gestanden.
Kate Nelligan als Lucy mit Ihrer taffen Rolle als starke Frau überzeugt. Doch leider fehlt etwas die Zerrissenheit zwischen Ihrem Verlobten und Ihrer neuen Liebe Dracula. Sie begibt sich doch relativ schnell in Draculas Arme und versucht nicht richtig gegen Ihre Leidenschaft anzukämpfen.
Jede Kameraeinstellung ist genau abgestimmt nichts ist dem Zufall überlassen. Gutes Beispiel ist die Höhlenszene nach dem Schiffsunglück. Minas besorgter Gesichtsausdruck wird eingefangen. „Ist der Mann am Boden Tod?“ Dann schieben sich langsam erst die Finger und die Hand in die Kamera. Minas und Draculas Hände vereinen sich. Ein wunderbares Werk von Schnitt- und Kamerakunst.
Die Kostüme passen zum Beginn des 20igsten Jahrhunderts. Während der Fahrt von Jonathan mit Dr. Seward zum Sanatorium sehen die Zuschauer das Personal und die Bauern mit Rechen das Gras einsammeln. Jonathans passende Brille gegen den Fahrtwind im offenen Automobil und Lucys und Minas typischen Kopfbedeckungen passend zur damaligen Zeit. Der Zuschauer fühlt sich manchmal in ein Theaterstück versetzt.
Die Kulissen wurden nach eigenen Angaben von John Badham nach dem Vorbild von Ludwig dem II. aus Bayern konstruiert. Somit sind diese außerordentlich detailreich. In manchen Szenen schon zu überladen. Als Beispiel ist hier die Eingangshalle in Carfax Abbey anzuführen. Zu viele Spinnweben und eine riesige Fledermaus aus Stoff über der Treppe zum Eingang. Die Deko passt zu Halloween aber für dieses Werk einfach unpassend.
Die bedrohliche Musik in einzelnen Szenen erzeugt mehr Spannung und Horror als jedes Blutbad in so manch anderen Produktionen. Der aufmerksame Hörer weiß, hier hat mit John Williams ein ganz Großer der Zunft den Dirigentenstab in der Hand. Als Dracula an der Wand in Minas Zimmer klettert, entsteht allein durch die musikalische Untermalung ein Schreckens- und zugleich Liebesszenario. Hier wird kein Biss gezeigt und kein Schreckensschrei ist zu hören.
Auch der Übergang von unterschiedlichen Szenen wird musikalisch oder Geräusch technisch begleitet. Lucy fährt mit der Kutsche nach Carfax Abbey. Während der Fahrt heulen die Wölfe und das Geräusch verändert sich nahtlos in das Signalhorn des ankommenden Zuges von van Helsing. Dabei wird die erste Ankunft von van Helsing dem Erzfeind Draculas musikalisch untermalt. Dabei wirken die Töne manchmal schrill, wild und fast schon irre in manchen Szenen und sind eine gute Alternativer zu einer blutigeren Darstellung von Dracula.
Specialeffekts sind einige im Film zu finden. Diese werden gezielt und in kleinen Portionen eingesetzt und dienen dazu die Bilder im Film besser in Szene zu setzen. Renfield kommt mit der Kiste des Grafen an der Tür in Carfax Abbey an. Leichter Nebel rahmt die Szene ein und betont das düstere Gebäude und den Eingang.
Ein wahrer Stilbruch, könnte behauptet werden, in der Vampirkuss Szene von Lucy und Dracula. Ihr Liebesspiel wird durch Effekte und hohe Töne in einer Art „Traumhöhepunkt“ dargestellt. Der Biss des Vampirs verliert an Gewalt und wird zu einem erotischen Akt zweier Liebenden. Wie John Badham erläutert scheiden sich hier die Geister. John Badham ist persönlich begeistert, Frank Langella gefallen bis heute die Einstellungen nicht (siehe Making of). Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten.
Als feine Kleinigkeit würde ich gerne hervorheben, dass in der Szene als van Helsing seine Vampirtochter ersticht, beide in Ihrer Muttersprache holländisch sprechen. Solche Kleinigkeiten heben die Authentizität eines Films weiter an und es ist Erkennbar, dass der Regisseur auf kleine Feinheiten achtet, welche einen Film nochmals eine Stufe nach oben schieben kann.
Zum Schluss muss ich natürlich zu den viel diskutierten Farbvarianten etwas sagen. Grundsätzlich sind die Inhalte der Geschichte gleich. Die Filme wirken unterschiedlich auf die Zuschauer. Bei den schwächeren Farben, wird ein Cineast mit einem Faible für alte Filme, sich in die Universal Horrorfilmzeit zurückversetzt fühlen. Dagegen passen die satten, kräftigen Farben der goldenen Variante besser zu einer Produktion aus den 70iger Jahren und werden wohl der heutigen Popcornkino Generation besser gefallen. Ich kann beide Verfechter der Varianten verstehen. Doch egal in welcher Variante Sie den Film genießen der Inhalt, Schnitt, Musik und die schauspielerischen Leistungen bleiben die Gleichen.
Und seien wir doch ehrlich? Es gibt nichts Schöneres als nach einem Film sich in ausufernde Diskussionen zu begeben, welche Variante besser oder schlechter zum Film passt. Ich bin froh, dass es zwei Varianten gibt und der Zuschauer die Wahl hat.
Bewertet wurde: Blu-Ray / Cinema Edition (2-Disc) / Koch Media GmbH
Hier handelt es sich um restaurierte Farbfassung des Filmes. Das Bild ist grandios für das Alter.
Der Ton, ob in Deutsch oder Englisch in einer DTS-HD Master Audio 2.0 Ausführung lässt auch keine Wünsche offen.
Das gezeichnete Cover wirkt fast wie ein Bild und übertrifft die Vorgänger Versionen bei weitem.
Die Specials sind reichlich für einen älteren Film und bieten viele Einblicke in die Produktion.
Inhalte der Bonuselemente:
King of my Kind – Interview mit John Badham
Zu Beginn wird erläutert wie Frank Langella vom Broadway Stück Dracula zum Film kam. Der große Einfluss des Drehbuchautors W.D. Richter bei der Gestaltung der Geschichte wird beleuchtet. Durch Walter Mirisch und seinem Bruder Marvin konnten mit Schauspieler Laurence Olivier und Komponist John Williams herausragende Personen für die Produktion gewonnen werden. Interessant sind die Erläuterungen von John Badham, wie er die Kernelemente aus Bram Stokers Dracula genommen hat und diese in der Zeitlinie enger gesetzt hat um eine flüssige Story zu erhalten. Auch von der Inspiration von König Ludwig dem II. von Bayern für das Set Design wird berichtet. Es folgen weitere Einblicke und unterschiedliche Hintergrundinfos zu Filmszenen. Der Schluss bildet John Badhams Erläuterungen zu den beiden unterschiedlichen Farbvarianten und die Reaktionen darauf.
What Sad Music – Interview mit Autor W.P. Richter
Richter spricht darüber wie er zum Film kam, seine Ideen zu Dracula und wie wichtig Frank Langella für die Produktion war. Ein Fokus lag darauf, dass der Film nicht albern wirkt und der Vorlage eines Klassikers gerecht wird. John Badham und seine Zusammenarbeit mit einem Autor wird als einmalig beschrieben. John versucht die Gedankengänge eines Autors aufzunehmen und im Film umzusetzen. Das Zeitalter in dem der Film spielt ist ebenfalls wichtig für die Handlung und zeigt mit Jonathan Harker das 20igste und mit Dracula ältere Jahrhunderte. Der Schluss bilden Infos zu den Schauspielern und Ihren Rollen.
The Revamping of Dracula – Making-Of
Es startet mit einem Interview mit Frank Langella. Frank erzählt wie er zur Rolle am Broadway kam und wie er sich von Bela Lugosi abheben wollte. Walter Mirisch berichtet über die Intensionen kein Remake eines Universal Klassikers zu produzieren. Walter liebte die Arbeiten von John Badham und erzählt die Geschichte der Zusammenarbeit. Auch wird erläutert wie gezielt das Sexappell von Frank Langella in der Rolle des Draculas eingesetzt wurde. Der Autor W.D. Richter spricht über die Arbeit am Skript und die Recherche zur Vampirmythologie. Danach erläutert John Badham über die Arbeit am Set und in England, sowie den Einfluss von König Ludwig den II. auf den Film. Ebenfalls werden die schauspielerischen Leistungen behandelt. Die Hintergründe der Special Effects und deren Geheimnisse werden offengelegt. Es folgt eine Interpretation des Endes des Films. Des Weiteren ist es John Williams zu verdanken, dass durch die Filmmusik eine tragische Liebesgeschichte entstanden ist. Am Ende berichten die Mitwirkenden vom ausbleibenden Erfolg und die Gründe hierzu.
Konzentration auf Graf Dracula (Frank Langella)
Es treten drei Vampire im Film auf. Lucy ist an der Schwelle ein Vampir zu werden. Mina Harker wird zu einem Vampir. Doch der Hauptcharakter ist Graf Dracula auf den sich die Analyse konzentriert.
Name: Graf Dracula
Wesen: gewissenhaft
Natur: böse
Darstellung: transsilvanischer Aristokrat
Herkunftsland: Rumänien (Transsilvanien)
Vampirverwandlung: unbekannt
Verwandlungsform: Wolf, Fledermaus, Nebel
Ruhestätte: Kiste mit Muttererde
Fähigkeiten: außergewöhnliche Stärke, Telepathie, Hypnose, Telekinese, Unsichtbarkeit, scharfe Fingernägel, immun gegen Kugeln, kann Wände Spinnengleich ersteigen bzw. herabsteigen
Schwächen: Knoblauch, Pflock durchs Herz, Sonnenlicht, Kreuz, Pferde können Vampire erspüren
Optische Merkmale: kein Spiegelbild, trinkt keine Getränke oder isst Speisen
Menschliche Merkmale: sieht aus wie ein Mensch, verhält sich wie ein Mensch, empfindet Liebe, zeigt menschliche Zuneigung (Küsse), keine Vampirzähne
Lebenszeit: Unsterblich
Besonderheit:
Dracula kann während der Tageszeit im Schatten wandeln.
Es ist keine Vampirverwandlung durch einen reinen Vampirbiss möglich (Fledermaus beißt Jonathan in die Backe).
Lucy trinkt Draculas Blut und wird dadurch zum Vampir. Anscheinend muss der Vorgang bis zur endgültigen Verwandlung öfters durchgeführt werden.
Junge Vampire wie Mina oder Lucy haben Ihre Vampirfähigkeiten noch nicht unter Kontrolle. Ihre Augen sind rot wie glühende Rubine. Des Weiteren können Sie Ihre Vampirzähne nicht verbergen. Ihre Handlungen werden durch Ihre Blutgier gesteuert. Mina hat sogar durch Ihre komplette Vampirverwandlung Ihre Haut in Fetzen und die Leichenblässe ist ihr ins Gesicht geschrieben. Nur in Ihrem Vampirschlaf bekommt Sie wieder menschliche Züge. Anscheinend müssen Vampire erst älter werden um Ihre Gefühle und Ihr Äußeres unter Kontrolle zu halten, wie Graf Dracula.
Film:
Der Gentleman Dracula verzaubert mit seiner Art nicht nur Mina und Lucy, sondern läutet eine neue Ära von romantischen Dracula Filmen ein.
Für manchen jüngeren Vampirfilmfan wird es ein Schock sein, den auch schon vor Edward dem Helden aus „Twilight“ gab es einen vampirischen Herzensbrecher.
Der Beginn und das Ende des Films sind charakteristisch für die Gesamte Story. Es beginnt mit einer Schiffsreise und nimmt den Zuschauer mit auf ein Abenteuer in das Reich der Legenden, der Liebe und des Horrors. Die Reise endet auf einem Schiff und lässt den Zuschauer weiterfahren mit seinen Gedanken und Interpretationen des weiteren möglichen Filmverlaufs.
Ein Film bei dem der Kampf zwischen Gut und Böse auch eine Frage zwischen Liebe und Loyalität auslöst.
Eine zeitlose Darstellung der Charaktere von van Helsing und Dracula, welche in einem grandiosen mentalen Kampf seinen Höhepunkt findet.
Filmbegeisterte Menschen werden Ihre Freude haben, ob nun Fans des Popcornkinos oder eingefleischte Cineasten.
Ich hoffe mit meiner Rezension werde ich den vielen Fans des Filmes gerecht.
Tipp:
Schauen Sie sich den Film auf Englisch an, wenn nötig mit deutschen Untertiteln. Erst dann werden die schauspielerischen Meisterleistungen von Laurence Olivier und Frank Langella erst richtig gewürdigt. Die beiden Schauspieler verleihen Ihren Stimmen einen unverkennbaren Unterton aus den Herkunftsländern Ihrer Charaktere aus Holland und Rumänien.
Blu-Ray / Koch Media GmbH / 2020:
Wunderschön aufbereitete Blu-Ray. Das Bild und der Ton sind überragend für den Film. Leider muss sich der wahre Fan, noch die Koch Media GmbH zu legen um die Film Noir Variante zu sehen. Es gibt genügend Specials für jeden Fan noch tiefer in den Film einzutauchen.
Ein Meisterwerk hat endlich die richtige Plattform für seine Entfaltung erhalten.
Fun Facts:
Während des Sturms, bei dem das Schiff an den Klippen zerschellt, zeigt sich bei den Bildern im Irrenhaus ein Insasse mit Bärenmaske und läuft an Dr. Seward vorbei.
Die Namen von Lucy und Mina wurden zum Original Bram Stoker Buch vertauscht.
Van Helsing war nie Minas oder Lucys Vater in der Originalvorlage von Bram Stoker.
In Bram Stokers Dracula gab es kein Carfax Abbey. Die Unterkunft hieß ausschließlich „Carfax“. Die Unterkunft wird im Buch als Kapelle oder Kirche beschrieben. Im Film ist es eher eine Burg, Schloss oder Klosterabtei.
Mina spiegelt sich als Vampir plötzlich im Wasser. Da John Badham die Szene so gut gefiel, wie er in den Specials erzählte, hat er sich eine Geschichte einfallen lassen. Dadurch das van Helsings Kreuz kurz vorher in die Pfütze gefallen ist, ist diese nun geweihtes Wasser und dadurch wird das Spiegelbild des Vampirs sichtbar.
…wie wenig Tage ergeben ein Jahrhundert
Aus dem Film “Dracula”; Kapitel 3; 17 Min. 40 Sek.; Badham, John; Koch Media GmbH; 2020
Vampir-Rating:
Sternebewertung: 1 Stern (schlechtestes Ergebnis) bis 10 Sterne (bestes Ergebnis)
Film-Rating:
Sternebewertung: 1 Stern (schlechtestes Ergebnis) bis 10 Sterne (bestes Ergebnis)
Vergleich der Farbvarianten
Gesamtbewertung:
1-2 (nicht Sehenswert), 2-4 (Genreliebhaber), 4-6 (Vampirfans), 6-8 (Sehenswert), 8-10 (Kult)
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