Øvredal, André / Die letzte Fahrt der Demeter (2023) / Blu-Ray, 2024 / Universal Pictures Germany GmbH / Intro / Kapitel 1, 4 Min.
Ein ernsthaft intensiver Horrorfilm
„In meinem Dorf erzählt man sich die Geschichte, dass das Böse in den Bergen haust, in einem Schloss das älter ist als wir alle.“
Aus dem Film „Die letzte Fahrt der Demeter“; Anna erzählt ihre Geschichte Clemens in seiner Kajüte; 46 Min. 5 Sek.; André Øvredal; Universal Pictures Germany GmbH; Blu-Ray, 2024
Es ist das Ende des 19. Jahrhunderts, die Demeter, ein Frachtschiff sticht von Varna in Bulgarien aus in See mit dem Zielhafen London in England. Die Fracht besteht größtenteils aus 50 geheimnisvollen großen Kisten. Während der Überfahrt ereignen sich grauenhafte Morde und ein Bauernmädchen ist nicht der einzige blinde Passagier an Bord. Die Reisezeit stellt sich als ein Wettrennen ums Überleben heraus. Kann das Böse, welches auf dem Schiff sein Unwesen treibt, aufgehalten werden, bevor das Segelschiff die Küste Englands erreicht?
Regie: André Øvredal
Musik: Bear McCreary
Drehbuch: Bragi F. Schut, Zak Olkewicz
Produktion: Bradley J. Fischer, Mike Medavoy, Arnold Messer
Wichtigste Darsteller: Corey Hawkins (Clemens), Liam Cunningham (Captain Elliot), Aisling Franciosi (Anna), Javier Botet (Dracula), David Dastmalchian (Wojcheck), Woody Norman (Toby), Stefan Kapičić (Olgaren)
Produktionsjahr: 2023
Produktionsfirma: Amblin Partners, Studio Babelsberg AG, DreamWorks Pictures, Phoenix Pictures, Reliance Entertainment
Produktionsland: USA / Deutschland
Genre: Horror
FSK: 16
Quelltexte / Nachweise:
17.12.2025 / https://de.wikipedia.org/wiki/Die_letzte_Fahrt_der_Demeter
17.12.2025 / https://www.imdb.com/de/title/tt1001520/
Die letzte Fahrt der Demeter
Version zur Rezension (Dezember 2025)
Medium: Blu-Ray
Herausgeber: Universal Pictures Germany GmbH
Erscheinungstermin: 2024
Layout/Gestaltung: Universal Pictures Germany GmbH
Laufzeit: 119 Min.
Ton: Deutsch, Englisch, Französisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch
Tonformat: Dolby Atmos; Dolby Digital Plus 7.1 (nur Französisch)
Bild: Farbe
Bildformat: High Definition Widescreen 16:9, 2.39:1 (1920 x 1080p)
Specials auf der Blu-Ray:
- Alternativer Anfang + Kommentar des Regisseurs
- Unveröffentlichte Szenen
- Dracula & das digitale Zeitalter
- Das Böse an Bord: Die Entstehung von „Die letzte Fahrt der Demeter“
- Filmkommentar mit Regisseur André Øvredal und Produzent Bradley J. Fischer
Weitere Versionen:
Version ist ebenfalls inhaltlich gleich als DVD erschienen (ISBN 505-3083260309).
Besonderheiten:
Der Film basiert auf Kapitel 7 von Bram Stokers Dracula (Buch) und die damit verbundenen Logbucheinträge des Kapitäns des Schiffes der Demeter.
Schriftlicher Prolog:
1897 sticht ein russisches Frachtschiff von Varna in Bulgarien am schwarzen Meer mit Ziel England in See. Die Fracht besteht aus 50 privaten Holzkisten.
Als das Schiff in England ankommt ist es nur mehr ein Wrack.
Der Name des Schiffes lautet Demeter und seine Geschichte wird anhand der Logbucheinträge des Schiffskapitäns nach dem Roman von Bram Stoker „Dracula“ erzählt.
6. August 1897
Eine stürmische Nacht der Konstabler wird gerufen, da ein Schiff auf die Klippen in Whitby aufgelaufen ist.
Der Polizist Fletcher geht als erstes auf das Wrack, um nach Überlebenden zu suchen. Er findet aber nur das Logbuch des Kapitäns und übergibt dieses dem Konstabler. Der Kapitän warnt vor einem Unheil, welches mit auf dem Schiff gereist ist und den Versuch es zu vernichten. Falls der Versuch gescheitert ist, wünscht er den Lesern des Logbuches viel Glück, um dem Unheil zu entgehen.
6. Juli 1897
Eine Karawane von Pferdegespannen reist mit Holzkisten, welche durch ein Drachensymbol markiert, sind auf einen Hafen zu und dem am Pier liegenden Frachtschiff mit Namen Demeter. Es handelt sich nach dem Kapitän, mit Namen Elliot, um die bulgarische Stadt Varna. Das Segelschiff muss die Besatzung auffüllen. Der studierter farbiger Arzt Clemens bewirbt sich für die Überfahrt nach England, wird aber abgelehnt.
Die Holzkisten der ärmlichen Pferdegespannführer müssen schnellstmöglich verladen werden, um noch mit der Flut auslaufen zu können. Doch die Fuhrmänner weigern sich den Matrosen zu helfen, da sie vor Dunkelheitseinbruch wieder abreisen müssen aus Varna. Die Fuhrmänner bezahlen eine beträchtliche Summe für den Transport und reisen ab.
Während des Verladevorgangs kommt es zu einem Unglück. Der neue angeheuerte Matrose erkennt das Drachensymbol auf einer der Kisten und lässt die Sicherung der Kiste fahren. Die Kiste erschlägt beinahe das Enkelkind Toby, nur in letzter Sekunde kann Clemens den Jungen vor der herabstürzenden Kiste retten. Danach verlässt der bulgarische Matrose das Schiff und warnt die Demeter Crew vor dem Drachen. Der Arzt wird nun doch als Crewmitglied angeheuert. Erde rieselt aus der leicht beschädigten Holzkiste. Toby zeigt Clemens das Segelschiff.
Am 06. Juli 1987 ist die Frachtaufnahme abgeschlossen und 10 Männer mit günstigem Wind und in Hochstimmung verlassen den Hafen in Varna.
Der Kapitän informiert Wojcheck, seinen ersten Maat, darüber das dies seine letzte Reise sein wird und er der Handelsgesellschaft vorschlagen wird Wojcheck das Kommando zu überlassen.
Ratten fliehen aus dem Frachtraum und etwas löst die Befestigungsseile der Kisten.
Die Besatzung diskutiert, was sie am Ende der Reise mit der Bezahlung für die Überfahrt anstellen wird. Es wird klar, dass es Clemens nicht um die Bezahlung geht, sondern um den Erhalt von Wissen.
Die Tiere, welche als Nahrung für die Besatzung dienen, werden nervös. Toby und Clemens beruhigen sie. Im Frachtraum bemerken sie eine zerstörte Holzkiste. In der Kiste befindet sich eine halbtote Frau. Clemens erkennt sofort, dass die Frau eine Bluttransfusion benötigt. Blinde Passagiere werden eigentlich über Bord geworfen, doch Clemens setzt sich für Sie ein und er darf sie Gesund pflegen.
Der zweite Maat Olgaren sieht bei seiner nächtlichen Wache eine Schreckensgestalt. Der zweite Wachhabende Clemens nur undeutlich.
Die Tiere an Board und der Wachhund werden die ersten Opfer von Dracula. Die Schiffsmannschaft, bis auf einen Matrosen, geht von Tollwut aus. Der Ungläubige denkt eher an ein böses Omen, welches durch die blinde Passagierin auf dem Schiff lastet. Danach denkt Olgaren an seine nächtliche Begegnung und fühlt etwas Böses ist an Bord der Demeter.
16. Juli 1897
Der Kapitän berichtet von schlechtem Wetter, fleißigen Männern und knappen Essen. Die Demeter hat das Kap Matapan passiert. Die blinde Passagierin zeigt weiterhin keine Verbesserung ihres gesundheitlichen Zustands. 2 Wochen bis zum Zielhafen.
Die Nacht bricht ein. Der Koch Joseph erzählt das die Ratten vom Schiff verschwunden sind. Dies ist für ein Schiff unnatürlich und ein böses Omen. Der wachhabende Matrose Petrofsky entdeckt zuerst eine Bruchstelle auf Deck zum Frachtraum. Danach sieht er eine kauernde Kreatur auf Deck im Dunkeln versteckt. Der ausgemergelte Vampir fällt blitzschnell über den Matrosen her. Dracula zerfetzt ihm seinen Hals und nährt sich von seinem Blut.
Clemens merkt das niemand das Schiff steuert und schlägt Alarm. Am Morgen ist die einzige Erklärung für das ganze Blut an Deck und dem fehlenden Matrosen, dass dieser sich schwer verletzt hat und danach über Bord gefallen ist. Die blinde Passagierin ist erwacht und tritt in die Sonne zur Schiffscrew. Clemens erläutert die Biss Male am Hals der Tiere. Anna, die blinde Passagierin, warnt die Schiffsbesatzung vor dem Bösen, das auf dem Schiff lauert.
18. Juli 1897
Matrose Petrofsky wird vermisst. Der zweite Maat Olgaren hat eine unnatürliche Gestalt an Bord entdeckt.
Anna erzählt Clemens von ihrem Dorf, welches im Schatten eines Schlosses steht. Im Schloss lebt das Böse. Es kann sich in menschliche Gestalt verwandeln und ernährt sich von Blut. Sein Name ist Dracula. Er hat sich auf seiner Reise von dem Mädchen ernährt.
In der Nacht werden zwei weitere Seemänner von Dracula angegriffen. Olgaren wird schwer verletzt, der andere ist tot. Die restlichen Crewmitglieder beginnen das Schiff nach dem Monster zu durchsuchen. Der Kapitän sperrt seinen Enkel Toby zum Schutz in die Kapitänskajüte ein. Dracula übernimmt den Willen des gebissenen Matrosen. Olgaren schnappt sich Toby, den Schiffsjungen, der sich aus der Kajüte geschlichen hat. In letzter Not reißt sich Toby von ihm los und sperrt sich erneut in die Kapitänskajüte ein. Kurz bevor Olgaren durch die Tür gebrochen ist, hält er ein und zieht sich zurück. Toby alarmiert über Klopfzeichen die Schiffscrew. Diese halten Olgaren auf. Doch Dracula ist bereits in der Kajüte und labt sich an Tobys Blut. Toby überlebt nur spärlich mit anhaltenden Bluttransfusionen.
1. August 1897
Noch 5 Tage bis London. Olgaren wird an Deck an den Mast gebunden. Mit aufgehender Sonne verbrennt er am Mast.
Eine weitere Nacht bricht herein. Anna und Clemens gehen auf die Jagd nach Dracula und beginnen die Holzkisten zu öffnen. Auf Deck schlägt der Koch Joseph den Steuermann nieder und flieht mit dem Beiboot auf offene See.
Die beiden Suchenden werden fündig und finden Draculas Sargkiste mit einem geheimen Verriegelungsmechanismus. Nachdem die Kiste geöffnet ist, müssen die beiden feststellen, dass diese leer ist. Dracula schnappt sich auf geflügelten Weg den Koch im Beiboot. Kapitän Elliot gibt die Hoffnung auf ein Überleben auf.
Auch die Bluttransfusionen haben nicht geholfen. Toby stirbt an den Folgen des Bisses und des Blutverlustes. Während der Seebestattung am Tage verbrennt Tobys Leichnam. Dabei fügt er seinem Opa Elliot schwere Brandverletzungen zu.
Ohne den verletzten Kapitän versucht Clemens und die restliche Schiffsbesatzung der Demeter Dracula eine Falle zu stellen. Es ist nur mehr 1 Tag bis nach England. Das Monster braucht die Schiffsbesatzung nicht mehr als Nahrung und wird sie alle töten, wenn sie Dracula nicht zuvorkommen. Der Plan ist das Schiff mit Dracula zu versenken. Inzwischen hat sich Dracula den Gedanken vom Kapitän bemächtigt und flüstert ihm ein ihm seinen geliebten Enkel wieder zu geben, wenn er das Schiff nach England bringt. Doch Anna und Clemens können ihn überzeugen, dass Dracula ihm nur Lügen einflüstert.
Die Nacht bricht herein die Küste Englands ist in Sichtweite. Dracula beschwört einen Nebel herauf, um sich bei seiner Ankunft auf dem Schiffsdeck zu tarnen. Der Vampir hat die Falle durchschaut und nimmt sich jeden Überlebenden einzeln vor. Das Schiff kann nicht versenkt werden. Anna und Clemens gelingt es Dracula am Ende an den Hauptmast zu pfählen. Die letzten beiden Überlebenden retten sich mit einem letzten Sprung ins Meer und halten sich an Treibgut fest.
Das Schiff läuft auf das Riff auf und Dracula kann sich befreien. Anna verwandelt sich in einen Vampir und die Sonne verbrennt sie auf See zu Asche.
Clemens jagt nach Dracula in London. Er weiß durch die Frachtpapiere, dass er seinen Unterschlupf in Carfax Abbey hat. Dracula kommt ihm mal wieder zu vor und spürt Clemens in einer Kneipe auf. Nach dem Verlassen der Kneipe folgt Clemens Dracula in die Schwaden der Londoner Nacht.
Eine Schifffahrt, die ist blutig, eine Schifffahrt, die ist tödlich…
Der Film basiert auf Kapitel 7 von Bram Stokers Dracula (Buch) und die damit verbundenen Logbucheinträge des Kapitäns des Schiffes der Demeter. Durch die kürze der Vorlage bleibt dem Team die Möglichkeit einer bekannten und vielfach verfilmten Buchvorlage eine neue Geschichte hinzuzufügen. Das Verhängnis der Dementer wurde in diesem Umfang noch in keiner filmischen Vorlage so erzählt.
Ebenfalls bietet sich die Möglichkeit Dracula von seiner eher animalischen Seite zu zeigen. Auf der enge eines Bootes mit nur wenigen Verstecken und Nahrungsquellen entsteht ein hoher Bedarf an taktischer Vorbereitung und strategischen Handeln. Dies ist dem Leser des Buches oder der vielen Verfilmungen gar nicht so ohne weiteres bewusst.
Auch die Gefahren und Risiken während einer solchen Überfahrt am Ende des 19. Jahrhunderts gilt es zu berücksichtigen für den Grafen Dracula. Da wird der Antrieb von Dracula seine verlorene Liebe über Länder hinweg wiederzufinden noch einmal verdeutlicht.
Die Geschichte rund um Dracula ist bekannt. Somit wird das Ende der Demeter bereits am Anfang vorweg gestellt im Film und als Filmmittel verwendet. Die Kapitel folgen dem Logbuch des Kapitäns.
Der Film ist eine Mischung aus Kriminal-, Abenteuer- und Horrorfilm. Clemens als Detektiv will dem bösen Schiffstreiben auf die Spur kommen. Das Schiff und die Mannschaft trotzen den wildesten Stürmen und Dracula mordet sich blutrünstig durch die Schiffsbesatzung.
Der Film ist geprägt von dunklen Farben und Tönen. Häufige Verwendung von blau und grau Filtern für die verzweifelte Lage der Demeter. Warme Töne für die wenigen hoffnungsvollen Momente vor allem am Tage an dem kein Monster lauert. Das Blut fließt nicht in Strömen, wird aber gezielt und nicht zu wenige eingesetzt. Seine knallrote Farbe durchleuchtet so manch dunkle Szene.
Die Entwicklung des Grauens von Dracula wird beinahe vorsichtig vorangetrieben. Ein Schatten, eine Klaue, ein Umriss, bis zur Entfaltung der wahren Angstgestalt. Hier sind keine „Schocker“ in Minuten Takt notwendig, um ein beklemmendes und hoffnungsloses Gefühl im Zuschauer zu erzeugen. Eine kleine Hommage an „Nosferatu eine Symphonie des Grauens“.
Positiv für die Liebhaber der Buchvorlage ist die Darstellung Draculas, als das, was er eigentlich ist. Eine Schreckensgestalt, Plage und ein eiskalter berechnender Mörder. Keine romantische missverstandene Trauerfigur.
Da im Film nur eine kleine Gruppe von Protagonisten im Mittelpunkt steht, ist es umso wichtiger, dass diese Gruppe authentisch wirkt. Dies ist dem Team geglückt. Mit Javier Botet als Dracula wurde ein Monstererfahrene Darsteller gefunden, welcher durch seine Körpersprache der Rolle eine besondere Note gibt. Den Rest hat die CGI-Technology perfekt hinbekommen. Zu Beginn erinnert Dracula an den verletzlichen Gollum von Herr der Ringe. Für die Schiffsmannschaft der Demeter wurden die richtigen Männer ausgewählt und der zweite Maat Wojcheck gespielt von David Dastmalchian fungiert als passendes Bindeglied zwischen der Fraktion Clemens, Anna und Elliot und den Seemännern. Mit Liam Cunningham als Elliot der Kapitän der Demeter hat man einen erfahrenen Schauspieler gewonnen. Wie schon in anderen Rollen bringt er eine Authentizität von der ersten Sekunde in die Rolle. Er ist der geborene Kapitän. Jetzt kommen wir aber auch zu den Schwachstellen im Film. Weder Corey Hawkins als Doktor Clemens noch Aisling Franciosi als Anna können in ihren Rollen vollends überzeugen. Dies kann daran liegen, das von den Charakteren zu wenig bekannt ist. Der Kapitän hat Toby seinen Neffen und den Plan sich zur Ruhe zu setzen. Aber was ist bekannt von den beiden Hauptdarstellern, was ist ihr Antrieb, Träume? Die Geschichte um Clemens wurde gekürzt, wie man in den Specials erfährt zu Gewinn des Tempos. Clemens wirkt wie ein junger van Helsing und wirkt manchmal wie ein Fremdkörper auf dem Schiff. Corey Hawkins bringt den geheimnissumwölkten Arzt einfach nicht glaubwürdig rüber. Seine Spielart erinnert immer ein wenig an Will Smith. Anna wechselt von Trauergestalt zur Heldin und eine nie ernstwerdende Romanze geht „Titanic like“ im wahrsten Sinne des Wortes unter. Da wäre mehr drinnen gewesen.
Da kommen wir auch zu den inhaltlichen Schwächen. Die Tiefe der Charaktere fehlt und der Film wird hauptsächlich durch die Action und Spannung getragen. Der Film beweist immer wieder Tempo, doch nimmt sich kleine, manchmal zu lange, Auszeiten. Veränderung der Mannschaftsmoral und die Kräftigung des Monsters werden nachvollziehbar im Film dargestellt. Trotzdem fallen dem aufmerksamen Zuschauer kleine unlogische Momente auf. Die Holzklopfzeichen, wie sich die Seeleute auf dem Schiff verständigen, sind nach meiner Recherche nicht belegt. Aber ein klangvolles Stilmittel im Film. Doch während Toby vom bessenen Olgaren angegriffen wird und er mit seinem Kopf die Kajüten Türe zertrümmert wird niemand aufmerksam durch das Klopfen. Erst wenn Toby mit den Klopfzeichen beginnt, kommt die Crew ihm zu Hilfe.
Einige Fragen werden auch erst in den Specials gelüftet, denn der Zuschauer fragt sich bis zum Schluss, warum will Clemens so schnell wieder nach England? Die Info das er dort seinen todkranken Vater noch einmal sehen will, hätte hier seine Motive ganz einfach erklärt.
Die Musik und Soundeffekte sind ein wahrer Hochgenuss. Das tosende Meer, der Wind pfeift durch die Segel, das Holz des Bootes knarrt mit jedem Auftreffen der Wellen. Klassische Geigenmusik und Chöre begleiten den Film. Das Herannahen von Dracula wird begleitet von Männerchören mit tiefen Tönen und Trommeln.
Authentizität hat im Film einen hohen Stellenwert. Die Kostüme und Kulissen, allem voran das wunderschöne, detailgetreue Schiff, haben ein großes Lob verdient. Bei der genauen Betrachtung des Schiffes und der Hafenstadt Varna, kann der Zuschauer in eine andere Welt eintauchen. Tagelagen, Taue, Kompass, Segel und die Frachträume, jedes kleinste Detail passen. Nette Features wie das geheime Verschlusssystem an Draculas Kiste ergänzen die Requisiten.
Bewertet wurde: Blu-Ray / Universal Pictures Germany GmbH
Eine ansprechende Menüführung, standardisiert wie bei anderen Universal Titeln.
Die Blu-Ray wartet mit einem ansprechenden Bild im Widescreen Format in 2.39:1 auf, was auf größeren Fernsehgeräten eine stärkere Kinoatmosphäre nachahmt und der Dolby Atmos Sound gibt nochmal ein viel stärkeres 3D Hörerlebnis.
Die Blu-Ray bietet mit Englisch, Deutsch, Französisch und Untertiteln ausreichend Sprachen.
Die Specials sind umfangreich, professionell gestaltet und runden das Filmerlebnis perfekt ab.
Extras:
Alternativer Anfang + Kommentar des Regisseurs
Der Kapitän hängt Tod am Ruder, auch Versionen wo er noch lebt, wären denkbar. Dracula verlässt als schwarz animierter Wolf das Schiff.
Unveröffentlichte Szenen
Clemens hebt in Warna einen Stein auf –> Start der nicht erzählten Geschichte Clemens & Vater, Steinsammeln
Bosporus und Konstantinopel –> Fahrt vorbei, war für die digitale Aufbereitung zu teuer, türkische Zollbeamte kommen auf das Schiff
Clemens folgt Hucks Blutspur –> Clemens spielt Detektiv / Kommentar: Das gesamte innere des Schiffs wurde aus Holz gebaut und nach dem Dreh wurde Brennholz daraus.
Clemens und Anna unterhalten sich an Deck –> Weiterführung der Geschichte Steinsammlung, Erläuterung der Rückkehr von Clemens nach England (Vater)
Die Crew diskutiert wo sich die Bestie versteckt –> Stelle aus der Buchvorlage
Auffinden der Leichen in der Kiste –> Anna war nicht die einzige Nahrungsquelle auf dem Weg nach England
Wojcheck findet den Captain –> Der Kapitän unterwirft sich Dracula
Clemens besucht das Grab seines Vaters –> Clemens übergibt am Grab seines Vaters die gesammelten Steine der besuchten Orte in der Welt / Kommentar: Die Szene wurde am Friedhof gedreht wo F. W. Murnau begraben liegt, dem Schöpfer von Nosferatu
Kommentar: Vor allem die Geschichte rund um Clemens und seinen Vater ist dem benötigten schnelleren Tempo zum Opfer gefallen.
Aus den Abgründen der Hölle: Dracula neu interpretiert
André Øvredal erzählt den Gedanken hinter dem Film. Er wollte sich nur auf einen Abschnitt des Buches Dracula von Bram Stoker konzentrieren und sich somit von anderen Verfilmungen abheben.
Dracula soll gezeigt werden in seiner wahren teuflischen oder dämonischen Form.
Der Vampir durchläuft unterschiedliche Stadien. Zu Beginn geschwächt und verletzlich zuletzt bei vollen Kräften und übernatürlicher Stärke.
Dracula ist ein alter und suchtkranker Mann. Diese Verwandlung spielt Javier Botet überragend.
Das Publikum erhält Einblicke in die Erstehung des Monsterkostüms und die Arbeit der Maskenbildner.
Draculas Zähne sollten die eines Raubtieres sein. Bei seinen Angriffen soll das Blut spritzen und seine Stimme tierisch schrill klingen.
Das Böse ist an Bord: Die Entstehung von „Die letzte Fahrt der Demeter“
Erläuterungen und berichte vom Regisseur, Produzenten und den Schauspielern.
Das Drehbuch erinnert André Øvredal an einen Alien Film. Die Handlung spiel 1897 und auf dem Meer, doch das Prinzip von Monster auf einem Raumschiff ist das Gleiche.
Die Schauspieler erläutern den kulturellen Wert des Buches Dracula von Bram Stoker. Dracula ist Ausdruck einer ureigenen Angst, welche in den Menschen verankert ist.
Der Film handelt ausschließlich über dem Buchabschnitt „The Captains log“ vom 06.Juli.1897 bis 06.August.1897.
Der Film bietet die Möglichkeit einige offene Fragen und Lücken aus dem Buch zu schließen, welche von Bram Stoker offengelassen wurden.
Die Charaktere auf dem Schiff haben André Øvredal überzeugt das Projekt anzugehen. Die Schauspieler verhalten sich wie eine echte Crew und verstehen nicht, was auf dem Schiff vor sich geht, bis es zu spät ist.
Bevor die Dreharbeiten starteten, übten die Schauspieler in Rostock auf einem echten Schiff. Dann ging es weiter in die Babelsberger Filmstudios nach Berlin zum Dreh der Innenaufnahmen. 90% des Innenbereichs des Schiffs wurde in einem Stück gebaut und konnte wie ein Schiff schwanken.
In Malta wurde die Hafenszene gedreht. In einem Infinity Becken wurde wohl bis dahin das größte Schiff mit einer Länge von 55 Metern für die Deckszenen aufgebaut.
Die Zuschauer erhaltenen einen kurzen Einblick, wie Anna zu ihrem abgemagerten aussehen gekommen ist.
Gedreht wurde bei Nacht und Tag und es kommen jede Menge Special Effects zum Einsatz. Dazu ein grauenerregender Dracula.
Genauer wird die Jagdszene von Toby und zweiten Maat Olgaren beschrieben. Woody Norman war die perfekte Besetzung des Kinderschauspielers und dürfte mit der Szene von Dracula seinen ersten Stunt durchführen.
Die meisten Stunts haben mit Seilen stattgefunden. Das Team hat bei der Menge der durchgeführten Stunts hervorragend zusammengearbeitet.
Clemens und Annas Lieblingsszene ist der letzte Kampf mit Dracula. Der Dreh war sehr anspruchsvoll. Es wurde in 360° Grad gedreht bei Regen, Wind und mit riesigen Leuchtquellen über und neben dem Boot.
André Øvredal Fokus war eine Kinoatmosphäre zu erzeugen. Dies bedeutet einen Fokus auf das Tempo, den Schnitt, die Soundeffekte und Musik.
Bear McCreary komponierte die Musik für den Film. Die Musik erzählt von einer Fahrt von einem Ende Europas zu der anderen Seite. Die Musik soll Angst aufkommen lassen und den Zuschauer mitnehmen in die Hilflosigkeit auf einem Schiff auf einem Meer dem Grauen nicht entfliehen zu können.
Dracula & das digitale Zeitalter:
Die Arbeit an den visuellen Effekten wird schön mit einer Vorher/Nachher Darstellung gezeigt. Brad Parker erzählt als Leiter der visuellen Effekte von der Arbeit an der Postproduktion.
Die größten Herausforderungen lagen in der Darstellung der Monsterbewegungen und an der Bewegung des Wassers und des Ozeans. 95% der Schiffsaufnahmen auf dem Meer sind digitalisiert.
Die Hafenszene in Malta wird genauer erläutert.
Die Idee eines heraufbeschworenen Nebels, welcher am Schiff zu Ende des Films nach oben kriecht, war auch keine einfache Aufgabe.
Die Darstellung Draculas wird genau beschrieben und die Hintergründe der Bewegungen.
Ebenfalls wurden alle Feuerszenen digital gestaltet.
Filmkommentar mit Regisseur André Øvredal und Produzent Bradley J. Fischer
Ein schöner Abschluss der Specials mit interessanten Hinweisen und Erläuterungen.
Der Fokus liegt auf der Darstellung von Dracula.
Während des Films werden Olgaren, Toby und Anna zu Vampiren. Diese verbrennen aber nach kurzen Vampirzeit sogleich in der Sonne des anbrechenden Tages.
Name: Dracula
Wesen: gewissenhaft
Natur: Böse
Darstellung: Monster
Herkunftsland: Transsilvanien
Vampirverwandlung: unbekannt
Verwandlungsform: unbekannt
Ruhestätte: Kiste mit Heimaterde
Fähigkeiten: Telepathie (Gedanken- und Körperübernahme mit Verwandelten und Menschen mit schwachem Geist), Verwandlung in Rauch, kann Nebel heraufbeschwören, Fliegen mit Fledermausflügeln, übermenschliche Kräfte, Gehör und Schnelligkeit
Schwächen: Gewehrkugeln verletzten, Wunden durch starken Verletzungen, Sonne verbrennt ihn zu Asche
Optische Merkmale: lange Fingernägel, Bewegungen wie eine Fledermaus, Flügel, Jagdverhalten wie eine Fledermaus (anpirschen), dunkle schwarz/graue Haut, faltig, keine Haare, keine Kleidung
Menschliche Merkmale: kann sprechen, am Ende ist das Aussehen die eines sehr alten Mannes mit Kleidung, Größe eines Menschen, klare strategische Denk- und Vorgehensmuster, starker Überlebenswille
Lebenszeit: wahrscheinlich unsterblich
Besonderheit: Kreuze haben keine Wirkung, kann sich von Tierblut ernähren
Film:
Ein zu Unrecht verkannter Dracula Film
Wer den Film als Ergänzung der bekannten Dracula Geschichte und Filme sieht, wird belohnt. Wem die Geschichte rund um den Grafen nicht bekannt ist, könnte hier enttäuscht werden.
Auch wenn die Story, aufgrund der Buchvorlage, auf einem Frachtschiff mit einer übersichtlichen Schauspielergröße stattfindet, kommt keine Langeweile auf. Die Popcornkino und Horrorfilm Fans werden nicht enttäuscht. Etwas mehr Tiefe hätte dem Film gutgetan.
Die Schreckensgestalt Dracula wird schön in Szene gesetzt und kann auf voller Linie überzeugen.
Die FSK 16 wurde sehr wohlwollend ausgelegt. Einige Szenen sind schon grenzwertig in Bezug auf Gewalt. Der Untergang des Untoten Schiffsjungen Toby im Meer ist grausig schön inszeniert, doch für zartbesaitete 16-jährige vielleicht etwas zu viel.
Trotz einer Vielzahl an Nominierungen und Erwähnungen konnte der Film keine nennenswerten internationalen oder nationalen Preise gewinnen. Sei es, dass der Film auf einen Titel wie „Dracula“ oder „Vampire“ im Titel verzichtete oder es an fehlenden weltbekannten Schauspielnamen mangelt. Einige Berichte sehen das Vorweg genommene Ende des Films als Spannungskiller. Hier muss ich darauf verweisen, dass im Filmtitel doch schon alles gesagt „Die letzte Fahrt der Demeter“, dass es hier kein Happy End gibt.
Der Film ist, zumindest an den Kinokassen, weit hinter den Erwartungen geblieben.
Die deutsche Film- und Medienbewertung stuft den Film als „Prädikat wertvoll“ ein.
Blu-Ray / Universal Pictures Germany GmbH / 2024:
Ton und Bild können mit Recht als aktueller Referenzwert verwendet werden. Das ist Kinoerlebnis für zu Hause. Die vielen geschnittenen Szenen zeigen, wie viel mehr Inhalt der Film transportieren könnte. Die Specials beinhalten interessante Einblicke in die aufwändige Produktion.
„Es ist kein Mann, es ist kein geistloses Tier, dass wäre vollkommen falsch. Wir nennen ihn Dracula.“
Aus dem Film „Die letzte Fahrt der Demeter“; Anna erzählt ihre Geschichte Clemens in seiner Kajüte; 46 Min. 40 Sek.; André Øvredal; Universal Pictures Germany GmbH; Blu-Ray, 2024
Vampir-Rating:
Sternebewertung: 1 Stern (schlechtestes Ergebnis) bis 10 Sterne (bestes Ergebnis)
Film-Rating:
Sternebewertung: 1 Stern (schlechtestes Ergebnis) bis 10 Sterne (bestes Ergebnis)
Gesamtbewertung:
1-2 (nicht Sehenswert), 2-4 (Genreliebhaber), 4-6 (Vampirfans), 6-8 (Sehenswert), 8-10 (Kult)
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